16.09.2026 | AFC Champions League Two, 1. Spieltag
FC Seoul gg. Persib Bandung 0:1 (0:1)
Seoul World Cup Stadium, ZuschauerInnen: 5.835 (250)
Meine Zeit in Daejeon endete und es war beeindruckend. Kaum eine Erwartung gehabt und dennoch so viel erlebt. Eine Stadt mit 1,5 Millionen Menschen, von der ich aber noch nie gehört hatte. So viele Perlen auf dieser Welt, was einfach nur motiviert mehr zu entdecken. Am Morgen noch erst gefrühstückt, ging es auch schon wieder Richtung Bahnhof. Mit Zwischenstop beim Kaffeeshop meines Vertrauens. Der Zug fuhr pünktlich ein und ab, ein Traum an den ich mich gar nicht gewöhnen darf (ich schaue auf dich Deutsche Bahn). 60 Minuten später in Seoul angekommen zog mich eine innere Stimme Richtung Jung-District, der Ecke, wo mein Lieblingsimbiss lag. Wie auf Autopilot ging ich dorthin. Eingekehrt, bestellt und gegessen. Und ja es war so gut und noch besser als in Gedächtnis gehabt. Gestärkt konnte dann auch in meine nächste Unterkunft eingekehrt werden. Prinzipiell bin ich nur in Hostels oder Hotels. Plattformen zur Buchung 'privater' Unterkünfte meide ich, da Wohnraum den BürgerInnen gehört und TouristInnen auch touristische Unterkünfte nutzen sollten. Der Grundgedanke dieser Plattformen ist löblich, die Ausführung aber nicht unterstützbar für mich. In meiner Unterkunft mit Man only Etage eingecheckt und erstmal zwei Deutsche Frauen im Zimmer begrüßt.... Ja das klappt ja super. Kurz ausgetauscht und weiter ging es, wie beim letzten Mal, nach Hongdae. Das Viertel besticht immernoch durch die Dichte an Vintage Stores und kleinen feinen Läden. Alles sehr eng und wuselig. Noch alles beschaut und mit Kaffee eingedeckt ging es mit der Metro Richtung Stadion. Fußball stand ja auch noch auf dem Plan.
Mit der Metro direkt vor die Pforten des großen Runds und die unfassbar lange Treppe hinauf. Der Ticketschalter öffnete sich genau vor meinen Augen und eine unverhältnismäßig große Traube an deutschen wurde durchgeschleust. Heute machen sehr viele ihren Länderpunkt Südkorea hier. Ein Spiel in der Champions League Two (Äquivalent der Europa League) ist auch sehr lukrativ und Seoul bietet genug abseits des Fußballs, um ein Spiel unter der Woche zu nehmen anstatt an einem Samstag. Mit einem Ticket für knapp 19€ ging es nochmal runter, eine Pizza und ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk besorgt und rein ins Stadion. In der 16. Reihe saß ich verhältnismäßig nah am Spielfeld und mit Stange vor der Nase. Die Bitte weit hinten zu sitzen wurde also schlicht ignoriert oder durch Sprachbarrieren nicht bemerkt. Schade aber die Beinfreiheit machte es auch wieder wett. Recht zügig suchte ich mir aber auch einen neuen Platz. Knapp 90 Minuten vor Beginn tummelten sich schon die ersten Auswärtsfans aus Indonesien. Hinter der großen PERSIB SANG PENAKLUK Fahne positionierten sich schon ein kleiner Haufen. Penakluk bedeutet soviel wie Bezwinger oder Eroberer. Cooles Bild und die VIKING JONGOL Fahne in lila fällt auch schnell auf, ist der Wikinger nicht unbedingt die erste Assoziation, die ich mit Indonesien habe.
Seoul hat ein Banner in Gedenken an die Opfer in Nepal, die durch die Sintflut Bleibe oder gar das Leben verloren haben. Auch an dieser Stelle mein Beileid an alle Hinterbliebenen.
Persib Bandung aus Indonesien wurde 1919 gegründet und erlangte mit neun nationalen Meisterschaften ein gefestigtes Standing. International sind sie zum dritten Mal vertreten, konnten sie bislang nie sonderlich in Erscheinung treten. Dieses Jahr sollte es anders werden. Bekannte Spieler waren mit meinem Blick nicht zu erkennen. Als ehemaliger Spieler muss aber Michael Essien erwähnt werden, der nicht lange da war und auch nur geholt wurde, um auf sich aufmerksam zu machen (also der Verein). Nach ein paar Monaten war die Geschichte aber schon wieder außerzählt ohne Mehrwert für beide Parteien.
Über die neunzig Minuten über blieben die 250 mitgereisten Fans ruhig, ob aus Trauer für die Opfer der Überflutung oder anderer Gründe ließ sich nicht in Erfahrung bringen. Ein paar Mal wurden Gesänge angestimmt und die Schals wurden gelegentlich geschwungen. Dabei war der Spielverlauf zum jubeln für die Gäste.
Die Anhänger des FC Seouls waren deutlich stimmgewaltiger und zu mehr aufgelegt. Die Mitmachquote bei Gesängen war in der Kurve überragend auf die umliegenden Plätze ist aber nicht übergelaufen. Bei knapp 6.000 Anwesenden ist es auch schwer Motivation zu schnüren. So eine geringe Anzahl bei internationalen spielen ist schon ungewöhnlich, so ist es aber nunmal in Korea.
So gab es aber mehr Möglichkeiten, sich die Gesänge anzuhören. Natürlich wurde von mir nichts verstanden aber die bekannten Melodien und die Lust-auf-mehr-machenende Rufe sind schon sehr reizvoll. Die Fahnen waren auch stärker im Einsatz, im Vergleich zu den letzten Spielen von mir. Ohne Einsingen ging es auch direkt rein ins Spiel.
Die Gäste hatte mit Beginn nichts zu verschenken und drückten schnell auf die Führung. Zu schnell für den FC Seoul und so zappelte nach vier Minuten der Ball im Netz. Schön herausgespielt über die linke Seite und wuchtig reingedrückt. Persib Bandung gab das Spielgerät auch nicht mehr her und FC Seoul blieb nur das kompakte verteidigen. So nahm die Attraktivität der Partie von Minute zu Minute ab, da Sie Gäste sich nichts herausspielen konnten. Und als dann nach sehr zähen und langen 45 Minuten zur Halbzeit gepfiffen wurde machte sich mächtig Unmut breit bei der Heimmannschaft und Pfiffe ertönte durch das Stadion. Eine Besserung in der zweiten Hälfte war lange nicht zu erkennen. Die Partie begann auch mit einer langen Unterbrechung, als Julio Cesar, Spieler bei den Gästen, nach einen Kopftreffer bewusstlos am Boden liegen blieb. Beste Genesungswünsche an dieser Stelle. Die Heimszene verzichtete daraufhin auch für eine kurze Zeit auf weiteren Support. Als dann wieder Stimmung aufkam, probierte die Mannschaft auf dem Platz, nochmal alles. Doch es sollte einfach nicht sein. Fernschüsse, Kombination bis in den Strafraum, doch dies alles blieb ohne zählbares. Und so blieb der Treffer in der vierten Minute der goldene Treffer. Kurzer Jubel auf der Tribüne von Persib, mehr auch nicht und beide Mannschaften zog es in die Kabinen und mich in die Metro und ins Bett.
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