🇰🇷 Seoul E-Land FC gg. Daegu FC 2:1

19.09.2026 | K2-LEAGUE, 27. Spieltag 

Seoul E-Land FC gg. Daegu FC 2:1 (1:1) 

Mok-Dong Stadium, ZuschauerInnen: 6.105 (250) 

 

Meine Zeit in Südkorea geht nun allmählich zu Ende. 16 Tage und 8 Spiele liegen hinter mir. Darüberhinaus auch neue Menschen und Erfahrungen in der Tasche. Besser geht es nicht. Doch ein kleines Schmankerl steht noch auf dem Plan: Bucheon FC 1995, der letzte K1-LEAGUE-Verein aus der Region rund um Seoul, im Heimspiel gegen Gimcheon Sangmu. Der Gegner sagte mir noch nichts, aber die Hälfte der ersten Liga zu kreuzen schmeckt gut. Freitag nochmals die Unterkunft gewechselt und auf die Flughafeninsel gezogen. Unseo-Dong genauer gesagt, mit vielen Unterkünften, Hotels und alles was man benötigt kurz vor dem Abflug oder kurz nach der Ankunft. Da mein Rückflug für neun Uhr anstand und kein funktionierender Online Check-in möglich war, war das die beste Wahl für mich. 

Am Samstag bin ich nach einer kurzen Nacht zum traditionellen Frühstück eingeladen wurden, mit Kimchi-Reis und Rahmen sowie Eiern in jeder erdenklichen Form. Eine coole Runde was es zu Tisch, doch etwas zu früh für mich, um auf englisch zu kommunizieren. Danach ging es aber auch schon raus, um die Umgebung um den Flughafen zu erkunden. Nichts bemerkenswerte, viele Cafés, Restaurants und Hotels und ein kleiner Park mit Fußballfeld, Basketballplatz und Zugang zum Meer. Kein Sandstrand sondern Felsen und Kies, dennoch sehr schöne Aussicht. Nach zwei Stunden hatte sich das Besichtigen auch erledigt und es ging Richtung Bucheon. Erwartet habe ich ein kleines Dorf, vorgefunden mal wieder eine Riesenstadt mit knapp 900.000 EinwohnerInnen. Eine weitläufige Einkaufstraße erstreckt sich vom Hauptbahnhof in Richtung Norden. Nach Norden zog es auch mich, erstmal in Cafés, Restaurants und Läden eingekehrt und alles gecheckt und mit Kaffee eingedeckt weiter durch die einzelnen Straßen. Bei 30°C und praller Sonne weiter zum Stadion. Über dieses Spiel werde ich aber nichts schreiben. Nach sehr langweiligen 45 Minuten kreuzte ich mir den Ground in der Hopper-App und zog ab. Das Stadion war mit knapp 1.500 leer, 55 Auswärtsfans und keine Stimmung. Da kann ich mir auch ein Amateurkick in Deutschland anschauen. Mit dem Bus ging es nach Mok-Dong, rein in den Süden nach Seoul, wo mich ein potenziell interessanteres Spiel erwartete. Im Bus habe ich noch einen koreanischen Hopper kennengelernt. Er erzählte mir viel über die kleinen Stadien in den unteren Ligen und dass diese sich oft noch besser eigenen würden zum besichtigen. Dann hab ich ja noch was vor mir in den nächsten Jahren. 

Nach 25 Minuten Busfahrt und ein paar Minuten per pedes am Gelände angekommen. Das erste was meine übernächtigen Auge sahen war ein riesengroßes Baseball Stadion, das erste in meinem Leben. Doch das war nicht das Ziel meiner Begierde. Direkt angrenzend ist auch schon das Stadium des Seoul E-Land FC. Eine Schüssel mit Laufbahn und stattlichen Flutlichtern, leider keine klassischen sondern sehr Moderne und komplett funktionstüchtig. Das Mok-Dong Stadium mit seinen fast 16.000 Plätzen war natürlich nicht mal ansatzweise ausverkauft doch beim Einlaufen kam schon mehr Spannung aus dem Gästeblock als im vorherigen Spiel aus dem gesamten Stadion. 

Zum Heimteam lässt sich sagen, dass nicht nur die dunkelblauen Trikots münden sondern das gesamte Gelände einladen wirkt. Als letzte Worte zum Stadion kann man sagen, dass es offen ist, die Haupttribüne hat eine kleine Überdachung. Von jedem Platz hat man auch eine tolle Aussicht. Der Verein ist selbst erst 12 Jahre alt und gegründet von der E-Land-Group, die in Seoul beheimatet ist und Parks, Restaurants, Malls und Weiteres finanziert. So nun also auch einen Fußballverein. Doch auch hier stört sich niemand daran und es wird überall laute Musik gespielt, alles ist auf Party ausgelegt und ein Animateur steht auf der Gegengerade zum bespaßen. 

 

 

In der Heimkurve haben sich 20 Männer positioniert und mit Trommel und ein paar Fahnen bestückt. Etwas Stimmung kommt auf aber reicht bei Weitem nicht bis zu den Sitzplätzen. 

Die Gäste sind da zu mehr aufgelegt und mit gut 200 Leuten auch zahlenmäßig überlegen. 

Der Daegu FC ist nicht nur doppelt so alt wie Seoul E-Land FC, sondern auch von der Stadt gegründet und ohne Geldgeber. Mit einem nationalen Pokalsieg und zwei Teilnahmen im internationalen Geschäft auch ein größerer Name in Korea. Aktuell grüßt man vom dritten Platz den viert platzierten Gastgeber. Ein Spitzenspiel an der Stelle, da beide Plätze für die Aufstiegsplay-Offs berechtigt sind, man aber nur zwei bzw. drei Punkte hinter dem direkten Aufstiegsplatz liegt sollte da viel drin stecken. 

Rein ins muntere Treiben. Beide Mannschaften sah man an, die drei Punkte heute einheimsen zu wollen. Qualitativ fehlte es phasenweise etwas. Durch Einsatz und Wille ließ sich das aber auch kaschieren. Der Animateur auf der Tribüne bekam mit Anpfiff auch Unterstützung von vier sehr attraktiven Cheerleaderinnen, so hatte jeder etwas zu gucken, je nach Vorliebe. Daegu FC war auf den Rängen und dem Feld leicht überlegen, doch Seoul ging in Führung. Nach einer Ecke bekam Daegu den Ball nicht richtig geklärt und Die Heimmannschaft stocherte die Kugel irgendwie über die Linie. Vollkommen egal für die Fans der Gastmannschaft. Los ging der tobende Jubel auf der Heimseite. Optisch unterstützt durch Seifenblasen die das Spielfeld überflogen. Sehr cool aber bitte lässt man solche Spielereien im Ausland. Nicht, dass ich irgendwann in der 3. Liga sowas mitmachen muss in Deutschland. Keine drei Minuten später tanzte der Ball wieder im Tor der Gegner, doch hob der Linienrichter die Fahne zackig und entschied zurecht auf Abseits. Die mitgereisten Fans ließen sich nicht beirren und motivierten weiter kräftig, wenn nicht noch kräftiger. So war es nicht verwunderlich, dass der Ausgleich kurz darauf fiel. Zur Offenheit: der Hunger hat mich übermannt und ich habe mich mit Pizza und Corndogs vollgeschlagen und den Jubel vom Vorplatz gehört. Eine Truppe Jungs (so 13 jährige vielleicht) kamen interessiert rüber was ich hier mache und ob ich Toni Kroos kenne als ich mich als deutscher lautete. Witzig aber deren FIFA-knowledge war überragend und das man den FC Ingolstadt (oder das Wappen eher) kennt ist echt erstaunlich. Who knows who knows. 

In der Pause wurde der Spaziergang durch die Flure und Tribünen gemacht und nach einer neuen Platzwahl meinerseits ging es rein in Durchgang Zwei. 

Die Ansage in der Pause muss auf beiden Seiten gelautet haben: "geht daraus und siegt!" Denn mit Mut, teilweise Übermut und viel Leidenschaft erarbeitet sich Seoul die ein um andere Chance und auch die Gäste waren nicht tatenlos. In der 51 traf der Offensivspieler der Heimmannschaft auch zu erneuten Führung und danach lief es Vogelwild. Der Ball ging von links nach rechts, von oben nach unten üben wie drüben. Die Schlussmänner wussten gar nicht mehr wie ihnen geschah und in der 89 Minuten stand es auf einmal 2 zu 2. Der Abwehrspieler wollte den Ball einfach hoch und weit weg bolzen doch traf er das Spielgerät so missglückt, dass er im hohen Bogen nach hinten flog, den eigenen Mann übertraf und ins Tor flog. Extase und Häme auf der Tribüne von Seiten der Gäste.... Doch der VAR hatte irgendwas gesehen, niemand konnte sich erklären oder zumindest mir, was gesehen wurde aber das Tor wurde aberkannt. Kurioses aus dem Keller kennt man ja auch aus Deutschland, wenn dann auch noch Sprachbarrieren dazukommen ist es undurchschaubar. Aber nagut, noch 11 Minuten Nachspielzeit, in der jeder Stand und alles tobte doch das Ergebnis blieb bestehen und Seoul E-Land gewann und zog an Daegu FC vorbei und kann hoffen, auf einen direkten Aufstieg in die erste Liga. Meine Daumen sind gedrückt, denn diese Stimmung braucht die Liga. 

Mein letztes Spiel ist auch gleich mein Highlight, was auch so spontan entstand, dass keine Erwartungen aufgebaut werden konnten. Vielleicht ist das der Schlüssel zu allem und zukünftig wird alles spontan entschieden. Vielleicht aber auch nicht.