🇰🇷 Daejeon Hana Citizen FC gg. Kyoto Sanga 1:0

15.09.2026 | AFC Champions League Elite, 1. Spieltag 

Daejeon Hana Citizen FC gg. Kyoto Sanga 1:0 (0:0)

Daejeon World Cup Stadium, ZuschauerInnen: 7.998 (200) 

Am Montag stand nicht der Flug nach Japan bei mir auf dem Plan, sondern nur der Umzug aus dem Osten der Stadt in den Süden Daejeons. Auf dem Weg zum nächsten Hotel noch schnell meine Wäsche, mit freundlicher Unterstützung der Besitzerin des Ladens, gewaschen. Nach dem einchecken im Hotel wurde direkt der Stadteil erkundet. Eunhaengseonhwa-Dong, so der leicht zu merkende Name. Bekannt für die lange Einkaufsstraße mit der Skyroad, einer hochgelegenen Lichtinstallationen, die bei Sonnenuntergang verschiedenste Motive und Farbe auf die Bildschirme projiziert. So macht es sehr viel Spaß durch die Gassen zu schlendern und den ein oder anderen Gatcha Store auszuprobieren. Des Weiteren ist der Stadteil bekannt für die Backkultur mit vielen verschiedenen Zeigspezialitäten. In einer Bäckerei Boutique wurde kräftig eingekauft, süße Teilchen, herzhafte Brötchen und viele weitere Leckereien gab es für mich und landeten erst im Einkaufskorb und kurze Zeit später in meinem Bauch. Das verdauen vollzog ich im Hotelbett, wo ich auch kurz danach einschlief. 

Der nächste Morgen stand an und damit auch der erste Spieltag in der AFC Champions League Elite. Einfach das asiatische Pendant. Daejeon Hana Citizen FC traf auf den japanischen Vertreter Kyoto Sanga. Noch ohne Ticket aber mit guter Hoffnung, das Problem schnell zu lösen ging es nach dem Frühstück Richtung Bongmyeong-dong. Dieser Stadtteil steht ganz im Sinne der Entspannung. Die Yuseong Hot Springs liegen mitten im Trubel und laden zum Verweilen ein. Vollkommen kostenlos, nur die Füße vorher putzen und schon geht es in die ungefähr 45°C warme, flache Teiche. Hier lässt es sich gut aushalten und entspannen. Es wird empfohlen für mindestens 20 Minuten zu verweilen und danach die Socken wieder anzuziehen, um die Wärme zu kanalisieren. Wie empfohlen so getan und mit nassen Socken ging es von da an zum Kaffee holen. Als die Socken wieder trocken waren und der Kaffee leer ging es zur weiteren Erkundung des Stadtteils. Viele Läden, große Kaufhäuser und unfassbar viele Imbisse und Restaurants lassen sich hier finden. Korea scheint mir ein sehr Shopping-Affinität zu haben. Ab 13 Uhr sah man auch verdächtig viele Lila Trikots aus Kyoto durch den Stadtteil strobern. Ohne Begrüßungskomitee dafür allesamt mit großen Rucksäcken ging es für die Menschen aus Japan von Straße zu Straße. Immer mit der Kamera alles festgehalten (das Klischee scheint sich zu festigen) ging es für die meisten Richtung Stadion. Ich ging noch vorher zu Mother's Touch, einer regionalen Bürgerkette speisen. Ich liebe Fast-Food und die lokalen Speisen sind auch formidable und lecker aber Burger und Pizza bekommen halt immer den Vorzug bei mir, da bleibe ich Banause. Nach dem Essen (und einem weiteren Kaffee) ging es auch für mich Richtung World Cup Stadium. Wie am Samstag erwartete ich viel Trubel, Hektik und viel zu viele lange Schlangen. Aber komplette Fehlanzeige. Es war nichts aufgebaut, einzig vier Wagen mit Essensangebot war aufgestellt und keine Schlangen, geschweige denn Koreaner. Gut 2 Stunden vor Anstoß ist auch sehr früh aber nicht komplett ungewöhnlich (für mein europäisches Verständnis mal wieder). Sofort vor die Ticketbörse gestellty noch mit der Befürchtung, dass Stadion könnte ausverkauft sein. Bekam die ich dieses Mal ein Ticket für die Haupttribüne, einfach damit ich beide Seiten gesehen habe und am Samstag war dieses recht luftig bestückt. Für 25.000 Won (16€) bekam ich einen Platz Recht nahe an den Auswärtsfans und damit rein ins Stadion. 

Der Westeingang ist identisch mit dem Osteingang und auch die Tribüne ist die selbe. Die Kunden die hier Platz nehmen unterscheiden sich dann doch. So saßen auf der Gegenseite junge Leute und Kinder. Sitzen jetzt hier Anzugträger und Damen in schicken Blazern hier. Ich sitze bei den Nobelfans, mit Adidastretern und Basecap. Nicht nur durch meinen Phänotypen, auch durch meine Kleidung falle ich auf, wie ein bunter Hund. Mit 7.998 war das Stadion heute auch noch leerer, als am Samstag und ein Baseball Spiel lief am selben Abend in der Stadt, da weiß man auch wie die Prioritäten verteilt sind. 

 

Der gegnerische Verein aus Japan reizte mich dann schon sehr. Kyoto Sanga, traditionell in lila Leibchen gekleidet, traten heute aber in weiß-grauen Trikots auf. Das Lila hat aber eine tiefe Bedeutung für Kyoto Sanga, da es als imperiale Farbe in Japan gilt und daran erinnert, dass Kyoto die ehemalige Hauptstadt ist. Lila bleibt mir immer ganz gut hängen, da es zwar den ein oder anderen Verein mit der Farbe gibt, es dennoch immer einzigartig wirkt. Für die Gäste ist es auch das erste internationale Pflichtspiel, da sie letzte Saison ihre beste Platzierung mit Rang drei erzielten und sich so für die Champions League qualifizierten war die Vorfreude bei den knapp 200 Mitgereisten riesig. So riesig, dass eine Stunde vor Anpfiff am Stadionkiosk die Trommel ertönte und ein Moshpit losging. Schonmal ein guter Start. Mächtig viele Zaunfahnen wurden angehangen und drei Schwenkfahnen waren im Einsatz. Eine Trommel, unterstützt von einer kleinen Trommel mit Becken, ähnlich wie ein Schlagzeug, waren als musikalische Taktgeber aktiv. Megaphone oder Capos waren keine zu erkennen für mich. Das Liedgut belief sich auf viele kurze Rufe und weniger auf Gesang. Aber eine Sache fiel 90 Minuten auf: das Hüpfen. Morgen werden alle mit Muskelkater in den Waden zurück nach Japan reisen so wie die gehüpft sind. Cooler und für mich erster Auftritt einer japanischen Fanszene. 

Zu der Heimmannschaft habe ich schon geschrieben und so halte ich mich hier kurz. Der Auftritt gefiel mir deutlich besser, als noch am Samstag. Die Gesänge kamen deutlich besser an bei mir, unterstützt auch dadurch, dass hinter mir eine Frau saß, die jedes Lied mitgesungen hat. Kein Wort verstanden aber die Melodien sind bekannt und der Klang war sehr angenehm. Gibt mir dieses Mal ein positives Bild der Fanszene. Auch waren die Fahnen häufiger im Einsatz und die Mitmachquote war teilweise größer von den anderen Plätzen als am Samstag. Gelungenes Comeback auf Champions League Bühne. Mit einem Banner ging es zu Beginn des Spiels los. '23 Jahre des Wartens, der Weg des Ruhms, den wir gehen werden' so die Übersetzung von Google. 2003 das erste, letzte und bis dahin einzige Mal International vertreten, gab es also auf beiden Seiten viel neues zu erleben. 

Das Spiel kam man auch kurz halten, da in der ersten Halbzeit sehr wenig geschah. Torchancen gab es kaum welche, da sich beide Mannschaften neutralisierten. Die japanische Mannschaft, die zur Hälfte aus Spielern aus Brasilien bestand, war sehr kompakt und ließ nichts zu. Im Gegenzug konnte sie selber auch wenig kreieren. Die Hana Citizens probierten es in vielen eins-gegen-eins-Situationen, was eher schlecht als Recht gelang. Die zweite Hälfte bot etwas mehr Spannung, da Kyoto platt wirkte mit zunehmender Zeit und in der 49 Minute der Ball durch Ludwigsson zur 1:0 Führung über die Linie gedrückt wurde. Die Jubelgesänge wurde aber vom eifrigen VAR unterbrochen, da ein Handspiel im Vorhinein stattgefunden haben soll. Nicht gesehen aber entschieden ist entschieden. So also weiter 0:0. Nach fleißigen Wechselspielen auf dem Bänken kam mehr Fahrt und Wilde Einlagen auf den Platz. Der Ball ging von Tor zu Tor und das erlösende 1:0 fiel dann in der 76. Minute durch den Brasilianer Pereira durch einen flachen Fernschuss, den der Keeper am Pfosten vorbeigucken wollte, nur ohne Erfolg. Der Torschütze wurde im Jubel ausgewechselt und bedankte sich bei jeder Tribüne nochmals beim vorbeigehen. Sanga war komplett platt und probierte bei der letzten Ecke nochmal alles. Der Keeper kam mit nach vorne und hatte auch die Chance auf den Ausgleich, als er einen Fallrückzieher andeutete, aber nicht den Ball sondern nur das Gesicht des Gegners traf. Sehr schmerzhaft, aber der Sieg zum Start in die Champions League wird darüber hinweg trösten. Ein Spiel,  das von Minute zu Minute an Spannung und Leidenschaft zugenommen hat und gerne in Erinnerung bleiben wird. Das Stadion bleibt ein Zwiespalt. Zu groß für das Gebotene aber dennoch prachtvolle und voller Möglichkeiten. Ein kleines Stadion, mit guter Akustik käme der Fanszene aber sicherlich entgegen, besser als das Riesending mit unter 10.000 BesucherInnen.