🇰🇷 Daejeon Hana Citizen FC gg. Pohang Steelers 2:2

12.09.2026 | K1-LEAGUE, 29. Spieltag 

Daejeon Hana Citizen FC gg. Pohang Steelers 2:2 (0:0

Daejeon World Cup Stadium, ZuschauerInnen: 10.000 (300) 

Heute war der erste Tag, an dem richtig ausgeschlafen werden konnte und das wusste ich zu nutzen. Vor zehn Uhr kam ich nicht aus dem Bett und konnte mein Schlafdefizit wieder etwas ausgleichen. Nach dem Gang zum Bad und der alltäglichen Kaffeebesorgung ging es von meiner Unterkunft Richtung Osten. Der Weg führte mich zum Uam Historic Park, ein ehemaliger Lehrort aus der Joseon-Dynastie, also aus der selben Ära, wie die von mir besuchten Orte in Seoul. Sehr gut enthaltene Bauten, teilweiße auch begehbar. Am beeindruckensten war aber der Pavillon am Teich voller Seerosen. Einfach nur traumhaft. Der weitere Weg führte über einen Holzpfad durch einen kleinen Wald. Weiter noch alles erkundet und dann bin ich weitergezogen Richtung Sky Park. 

Entweder mit dem Bus oder, wie in meinem Fall, zu Fuß und mit Kaffee in der Hand, ging es bei starkem Sonnenschein zum Sky Park. Ein kleiner Platz mit Blick über die gesamte Stadt. Auf dem Weg ging es überwiegend bergauf, nur die schönen Wandmalereien motivierten mich weiter zugehen. Die Fußwege sind schon teilweise brutal und die Hitze macht ihr Übriges. Am hellen Tage ist der Ausblick nicht sonderlich überwältigen, sieht man überwiegend Betonklötze überall rumstehen. Viele Skulpturen und Kunstinstallationen waren überall aufgestellt und eine schöne Windmühle diente als Fotomotiv. Bei Sonnenuntergang wäre es besonders schön, so nur durchschnittlich. Auch hier gab es einen kleinen Wald mit Holzpfaden zum bewundern. Sobald man auch nur zwei Meter in den Wald eintritt, verschwindet auch jeglicher Lärm der Großstadt. Von dort ging es kurz zum Hauptbahnhof, benötigte ich jetzt wieder ein Ticket nach Seoul. Für knapp 13€ gebucht und dann wieder in die Unterkunft, war es inzwischen schon 15:00 Uhr. Die Stornierungen und Buchungen der Unterkünfte für die zweite Woche lief auch problemlos, und nur minimal teurer als die vorherig gebuchten Unterkünfte waren die Neuen. 

Im Hotel angekommen blieb nur kurz Zeit zum Duschen, umziehen und Snacks für das Spiel besorgen. Zwei Stunden vor dem Anpfiff machte ich mich dann schon wieder auf den Weg zum Fußball. Das World Cup Stadium war heute endlich das Ziel, wurde es gestern ja schon aus der Ferne begutachtet. Der Verkehr in Daejeon ist deutlich unstrukturierter als in Seoul. Die Busse kommen entweder deutlich verspätet oder zu früh! Zu früh und dann nicht warten oder die Tür öffnen, wenn man zum Bus rennt geht einfach nicht. So musste ich eine andere Route einschlagen und mehr Fußweg auch mich nehmen. Der Bus braucht auch unfassbar lange und so kam ich 20 Minuten vor dem Anpfiff erst an. 1905 sagte Albert Einstein schon aus, das Zeit relativ ist. Das die Zeit aber so stark gedehnt werden kann ist mir unbegreiflich, bin ich aber nur fußballbegeistert und kein Physiker. Am Stadion noch in eine lange Schlange eingereiht zur Ticketbesorgung. Lief auch mal wieder ohne Komplikationen aus und so ging es durch die Ticketkontrolle rein ins Stadion. Mein Platz war aber eher medium, daraufhin habe mir etwas höher gelegen einen neuen gesucht. Mein Sitznachbarn ging schon beim Anpfiff voll mit und klatschte was das Zeug hielt. 

 

Das Stadion wurde im Zuge der WM gebaut und 2001 eröffnet. Seit 2002 spielt die Heimmannschaft auch dort, bis auf eine kleine Ausnahme durch Bauarbeiten 2014. Mit 40.000 Sitzplätzen eine angenehme Größe für ein Stadion. Die Auslastung war typisch für den Ligabetrieb niedrig und lag bei knapp 10.000 Anwesenden. 

Der Daejeon Hana Citizen FC ist der erste Verein aus Südkorea der aus der Gemeinde gegründet wurde ohne Firma als ausgangspunkt.1997 war die Gründung und die Unabhängigkeit hielt auch bis 2019 an. Dann trat die Hana Financial Group auf den Plan und kaufte den Club. Die Fans blieben davon unbeeindruckt und auch hier wieder ein großer Unterschied zu Europa. Keinerlei Proteste nur Support für die Herren auf dem Feld. In dunkelgrünen Trikots mit weinroten Akzenten ist die Optik schonmal sehr lecker. Und beim Eintreffen ins Stadion gingen die Spieler gerade auf den Platz. 

Die Daejeon Lovers sind die führende Gruppe und platzieren sich genau hinter dem Tor. Der Support war aber deutlich zurückhaltender und spielabhängiger als bei den bislang gesehenen Spielen. Dennoch wurden mehrere Fahnen geschwungen, aber nicht durchgehend. Eine Trommel und bekannte europäische Klänge waren nett aber nichts neues, alles sehr solide ohne Spitzen oder Täler. 

Auf der Gegenseite standen die Pohang Steelers, gegründet 1973 von einem Stahlbauunternehmen. Erklärt den Namen sehr gut. Der Verein konnte einmal die asiatische Champions League gewinnen und wurde Dritter 2009 bei der Klub WM im selben Jahr.

Hinter der Marines Fahne sammelte sich ein motivierter Haufen, ungefähr 60 junge Männer. Mit Trommel und einer Glocke wurde mächtig Stimmung gemacht. Stabiles Liedgut, komplett ohne Klatscheinlagen. Als dann auf Freed from desire von Gala gesungen wurde hatten sie mein Herz.

Das Spiel war über die gesamte 90 Minuten voller Spannung. Beim Spiel sechster gegen den achten (bei 12 Mannschaften) lässt es sich erstmal nicht unbedingt vermuten. Doch Pohang nahm das Heft sofort in die Hand und zeigte auf, was in ihnen steckte. Hoher Druck und schnelles überlaufen war zuviel für die Hana Citizens. So kam Chance über Chance aber die Tore fehlten. Die Ränge motivierten ihre Mannschaft weiterhin doch konnte der Funke nicht überspringen und die Heimmannschaft konnte glücklich sein mit 0:0 in die Pause zu dürfen. Während der Pause habe ich mir einen dieser coolen Plätze mit Tisch gesucht und meine Chips und Snacks eingenommen. Die zweite Hälfte wurde gerade angepfiffen, da stand es schon 0:1 kaum eine Minute gespielt köpfte der Stürmer Recht frei den Ball ins Netz. Die Fans waren noch am jubeln, da klingelte es schon wieder im Tor. Eine flache Hereingabe hebelte die Hintermannschaft aus. Beflügelt von der Führung und dem dominanten Spiel konnte der Pohang-Mob richtig feiern und die Stimmung schwang über auf die umliegenden Sitzplätze. Doch anders als erwartet kam es: Pohang zog sich zurück und überließ Daejeon häufiger den Ball. Viel konnten sie damit zunächst nicht anfangen doch mit jeder Minute wurden sie stärker. Die Daejeon Lovers feuerten wieder kräftig an und so kamen die Gastgeber in der 84 Minute zurück ins Spiel. Ein Brasilianer traf und Pohang schwamm auf einmal. Vier Minuten später haute der Stürmer von Daejeon einen direkten Freistoß aus knapp 25 Meter in die Länge Ecke und das ganze Stadion stand, tobte und auch mich hielt es nicht mehr auf dem Sitzplatz. Die ganze Stimmung war greifbar und zog jeden mit, mit Ausnahme von den Gästen. Die waren komplett bedient und stellten den Großteil der Gesänge ein. 

Allgemein ein überragender Auftritt von den Gästen und wie ich schon bei Incheon angemerkt habe, liegen die besten Szenen hier bei den unbekannteren Vereine. Vielleicht weil sie im Schatten der Großen gedeihen können. 

Die Rückfahrt war wieder nervig, fuhr der Bus schon wieder 4 Minuten früher weg und so blieb die längere Busfahrt als Alternative. Im Zimmer direkt den Stream gestartet und noch die zweite Hälfte der BSG Chemie Leipzig sehen können mit einem wunderbaren 2:2 gegen Zwickau, bei der auch mehr drin gewesen wäre. 

K1-LEAGUE: 5/12 Stadien 

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