11.09.2026 | K3-League, 22. Spieltag
Daejeon Korail FC gg. Ulsan Citizen FC 0:1 (0:0)
Daejeon World Cup Secondary Stadium, ZuschauerInnen: 83 (10)
Meine Unterkunft habe ich schon in aller Frühe verlassen, um mich auf den Weg zu machen. Auf dem Weg zum Bahnhof noch mit einem Kaffee beim goldenen M eingedeckt. Weiter gestiefelt und da stand ich vor verschlossenen Türen. Das ist auch neu, dass die Bahnhöfe komplett dicht gemacht werden. Kurz darauf kam aber schon jemand mit gelber Warnweste und fummelte mit einer Eisenstange an der Tür. Noch etwas Zeit totschlagen und dann ging es mit dem Zug zurück nach Seoul. Nur als Zwischenstopp, denn das Ziel hieß Daejeon. Die Millionenstadt im Zentrum von Südkorea besticht durch seine Kombination aus Stadt und Natur und bietet auch viele Sehenswürdigkeiten und Museen. Nach meiner Ankunft und dem Abladen meiner Tasche ging es auch direkt in ein Museum. Das National Science Museum Im Norden der Stadt bietet von der Entstehung der Menschen und fossilen Anschauungsmaterialien bis hin zu Zukunftstechnologien und einem Planetarium alles. Dieser Museumskomplex richtet sich stark an Kinder und Einheimische. Es gibt wenig übersetzte Texte, aber kostenloses WiFi, sodass die Übersetzungs-App des Vertrauens fleißig genutzt wurde. Das Museum kann komplett kostenlos besichtigt werden und bietet Getränkeautomaten und ein Café, was natürlich ausgetestet wurde. Kann man gut trinken.
Es ging aber auch darum, die Zeit in Südkorea positiv ausklingen zu lassen. Und das geht am besten, mit ein paar Fußballspielen. So bot der Freitag die oben genannte Begegnung. Der dritte aus Daejeon empfing den Tabellenzehnten (von 14 Mannschaften).
Der Einlass lief durch ein großes Seitentor ohne Eintritt, Kontrollen oder ähnliches. Kurzzeitig hatte ich auch das Gefühl hier überhaupt nicht hinzugehören. Überall waren Absperrungen und alle saßen schon auf ihren Plätzen lange vor dem Startpfiff. Kurz an einer Absperrung vorbeigeschoben und gesehen, wie zwei Jugendliche hinter mir den gleichen Move machten. Also doch nicht unerwünscht. Sofort in die Mitte der Haupttribüne gepflanzt und mir alles angeguckt. Snacks hatte ich vorsichtshalber selbst eingepackt und war auch genau richtig, da es keinerlei Verkaufsstand gab. Neben mir saß eine junge Dame mit Papiertüte aus der sie 90 Minuten lang Sushi und allerhand Mahlzeiten auspacken und an alle angrenzende Leute verteilte.
Die Heimmannschaft kann man auch Institution des koreanischen Fußballs nennen: so ist das Gründungsjahr 1943, hatte sich aber 1963 neu gründen müssen. Im Vergleich zu dem bislang gesehen aber schon ein sehr alter Hase. Die Gäste aus dem Süden Koreas sind das genaue Gegenteil. So wurde der Verein vor sieben Jahren gegründet, auf Verordnung vom aktuellen Bürgermeister. Wollte er eine Konkurrenz zu Ulsan HD aufbauen, spielt aber seit 2021 in der Drittklassigkeit und läuft nur hinterher.
Tradition gegen Investor mit großen Träumen hier im Daejeon World Cup Secondary Stadium. Der Begriff Stadion ist sehr gedehnt. Ist es ein besserer Trainingsplatz mit einer kleinen Steintribüne mit angeschraubten Sitzen. Gut erhalten und im Zuge der WM 2002 mit gebaut. Ein Base-Camp hab es zwar nicht in Daejeon, doch fanden hier ein paar Spiele statt. Im Schatten des großen Stadiums war der Anblick auf dem heutigen Platz nicht sonderlich befriedigend. Positives zu verzeichnen gab es auf den Rängen, wo sich 6 Männer mit einer Trommel und einem Megafon hingestellt haben und die anderen 77 Anwesenden probiert haben zu motivieren. Schwieriges Publikum und mich hatten sie, als in der zweiten Hälfte auf den Beat von Waka Waka con Shakira gesungen wurde. Die üblichen 'go korail' Gesänge waren nett aber ohne den kleinen Mob wäre es noch dröger gewesen.
Die in weiß-mintgrün gekleideten Gäste ließen sich ihren Tabellenplatz nicht anmerken und spielten groß auf. Korail blieb nur das hinterher laufen und foulen übrig. Hier ging es auch wirklich körperlicher zur Sache und der Schiri musste bei einer sehr großzügigen Linie dennoch häufig pfeifen. Auch waren drei gelbe Karten in der ersten Halbzeit überdurchschnittlich viel, im Vergleich zu den bisherigen Spielen. Große Chancen blieben den Heimfans verwehrt und nur die Mannschaft aus Ulsan kam zweimalig gefährlich vor den Kasten. Der Pfosten und ein wirklich gut aufgelegter Torwart verhinderten aber schlimmes. Zu Halbzeit massierte sich der Mann hinter mir genüsslich seine Füße, abgelegt auf der Rückenlehne neben mir, mehr ist nicht passiert. Die zweite Hälfte lief weiter wie bisher. Die Tabellendritten aus Daejeon kamen nicht hinterher und mussten sich mit Foulspielen helfen. Ab der 60 Minute wurde das Unterfangen, ohne Gegentor zu bleiben, deutlich erschwert. Der Torwart musste als letzter Mann 30 Meter vor dem eigenen Kasten den gegnerischen Stürmer zu Fall bringen und die rote karte in Kauf nehmen. So im Stich gelassen bleib ihm nichts anderes mehr übrig und mindert etwas seine überragende Leistung. Ohne ihn stünde es lange schon0:2 oder 0:3. Der Ersatzmann kam rein und zeigte gleich mit einer Glanzparade und einer starken Fußabwehr im Nachhinein, dass man bei Korail nicht nur Zugführer sonder auch grandiose Torhüter ausbildet. In der 75 Minute konnte sich ein Offensivspieler stark durchsetzen und aus kurzer Distanz dann doch den Ball über die Linie drücken. Sehr verdient und von 10 Leuten zu meiner rechten lautstark gefeiert. Danach kam nicht mehr viel. Ulsan spiele es gemütlich runter und Korail kam in Unterzahl immer einen Moment zu spät. Noch ein paar gelbe Karten wurden vertlt und danach schickte der Schiedsrichter auch allesamt unter die Dusche und machte selbst auch zügig Feierabend.
Schnell zum Bus gejoggt, wäre der Fußweg bei über 1,5 Stunden mir etwas zu viel, nur um dann zu sehen wie der Bus eine Minute früher schon losgefahren ist. Keine Zeit, um sich zu ärgern, da der nächste Bus um die Ecke nur Sieben Minuten später fahren sollte. So ein enges und gut ausgebauten Busnetz wünsche ich mir für die ganze Welt und würde auch den Individualverkehr etwas unterstützen. Mehr Busse, bessere Anbindung und regelmäßiger und man könnte das Auto auch Mal stehen lassen. Zuhause angekommen, geduscht und bemerkt wie unfassbar müde ich bin. Zum Schlafen blieb aber noch keine Zeit: kurz vor Spielende habe ich die Benachrichtigung erhalten, dass durch die schlimmen Unwetter und die dadurch entstandene Überflutung meine Unterkunft in Nagoya nicht mehr bezogen werden kann und auch die Reisen nicht empfohlen werden. Schnell alles überprüft und kam so zu dem Entschluss, Japan auszusetzen und meine Reise in Südkorea fortzusetzen. Das stornieren lief ohne große Probleme und Unterkünfte in Südkorea gibt es wie Sand am Meer. So kurzfristig ist es alles etwas teurer aber immernoch günstiger als spontan mit der deutschen Bahn zu reisen. So wird es leider keine Texte und Bilder aus Japan geben aber in Zukunft wird es bestimmt dazukommen.
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