09.09.2026 | K1-League, 28. Spieltag
Gangwon FC gg. Jeonbuk Hyundai Motors 1:1 (0:1)
Gangneung Stadium, ZuschauerInnen: 5.066 (120 Auswärts)
Mittwoch 6:00 morgens: der Wecker klingelt.
Mittwoch 6:30: der Wecker klingelt... Schon wieder. Ich hasse es und das gesamte Hostelzimmer hasst mich. Also raus aus dem Zimmer bevor ich raus befördert werde. Kurz noch gefrühstückt und mit Kaffee eingedeckt los ging es zur Seoul Station und damit endet meine Zeit in hier. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich noch viele Orte, und Attraktionen erleben möchte, mit dem erlebten dennoch sehr zufrieden bin. Tolle Menschen kennengelernt, wunderbare Stadien gesehen habe. Und die Stadt ist so lebenswert. Die zweite und dritte koreanische Liga hat auch noch einige Spiele und Stadien in der Region, die mich auf jeden Fall wieder hierher ziehen.
Das die Zugfahrten hier entspannt sein sollen hörte ich schon vorher, das sie aber so angenehm sind, konnte ich mich kaum vorstellen. Am Bahnhof vor die Riesenbildschirme stellen und warten. 15 Minuten vor der Abfahrt wird das Gleis angegeben. In meinem Fall war es die Nummer 14 und ab zum Bahnsteig. Man muss vorab sein Ticket erwerben und meistens reichen auch 2-3 Tage im voraus, da sie sehr regelmäßig die Großstädte anfahren und die Preis nicht spontan steigen, sondern immer konstant bleiben. Im meinem Fall waren es knapp 13€ für eine zweistündige Fahrt. Sitzplätze werden zugewiesen, solang vorhanden, sonst wird ein Wagen und der davorliegende Stehbereich zugewiesen. Das Personal rennt aber konsequent durch den Zug und spricht Leute an, sobald Sitze frei bleiben. So konnte ich die letzte Stunde im sitzen verbringen und lesen. Mein Ziel war Gangneung, eine 200.000 Menschen fassende Stadt im Osten. Direkt am Meer gelegen und bekannt für Kaffee und Fisch, zwei Lebensmittel für die ich mich sehr begeistern kann. Angekommen in Gangneung wurde erstmal die Toilette aufgesucht. Die klassischen asiatischen Toiletten ohne Schüssel waren hier ausschließlich aufzufinden und so das Geschäft in der tiefen Hocke verrichtet, mit Blick auf Sticker vom FC Seoul und Wolverhampton. Interessant, so fand ich bislang keinerlei Aufkleber im Stadion oder Umgebung aber auf dem Klo. Schnell noch einen weiteren zugefügt und weiter ging es. Aus dem Bahnhof raus und erstmal Ernüchterung: nicht sonderlich schön und etwas runtergekommen. Wahrscheinlich aber ein realistischeres Bild von Südkorea als ausschließlich Seoul, welches ich bislang hatte. Schnell in die Unterkunft und mir alles zeigen lassen. Das Dal Garam Guesthouse ist auch sehr zu empfehlen. Fußläufig 20 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt und an der Wolhwa Street gelegen, mit dem großen traditionellen Fischmarkt. Die Wolhwa Street ist eine lange Einkaufsstraße mit kleinen Läden, Cafés und Restaurants. Der Fischmarkt liefert Fisch (wer hätte es gedacht). Frisch, frittiert, gekocht, mit oder ohne Kopf und teilweise noch lebend. Mit dem starken Fischgeruch muss man aber klar kommen, sonst wird es sehr unschön für einen. Fish & Chips oder traditionelle Versionen hatten mich aber nicht nach Gangneung getrieben sondern der Spielplan, wieder mal, der koreanischen Fußballliga. Gangwon FC gg. Jeonbuk Hyundai Motors lautete die Partie am Abend und dahin springen wir jetzt.
Mit dem Bus ging es für mich bis kurz vor das Stadion und dort hatte ich gleich ein Déjà-vu. Sah das Gangneung Stadium einschließlich der Flutlichter aus, wie in Anyang. Und Anyang hatte Gangneung am Sonntag als Gegner gehabt, was es noch verschlungener machte für mich. Kurz zum Ticketschalter begeben und im perfekten Englisch beraten, von wo man alles gut sehen kann. Klasse! also für Block E das Ticket bekommen (13€ ungefähr ) und weiter den Rundgang gemacht. Vor dem Stadion wurde, wie auch in Incheon, die Foodstände vor dem Stadion aufgebaut. Mit einem Eis gestärkt wurde weiter alles beschaut, bis eine junge Frau mich auf koreanisch ansprach. Auf meinen verwunderte Blick schwang sie um auf englisch und erzählte mir von einer App (ähnlich wie WhatsApp) und ob ich am Gewinnspiel mitmachen möchte. Da ich die App nicht besaß war es ausgeschlossen doch sie war so lieb und schenkte mir einen Trostpreis: einen kleinen weißen Stoffhund mit Gangneungteikot. Ganz süß und auch beim rumstehen wurde ich ein- zweimal angesprochen, auf meine Herkunft vor allem und warum ich soweit fliege, nur um Gangneung zu sehen (wenn die wüssten). Groundhopper scheinen hier sehr selten zu sein und auch in der bekannten Hopper-App war nur ein weiterer eingetragen (natürlich jemand aus Deutschland). Aber nicht getroffen geschweige denn gescheieben. Auf den Weg zur Tribüne kehrte Ernüchterung ein, denn der Topsitz entpuppte sich als Platz auf einer Zusatztribüne. Ebenfalls wie in Anyang hat man hier zwischen Laufbahn und Tribüne zwei Metallkonstruktionen gestellt. Die aktive Fanszene der Heimmannschaft und die Gegengerade bildeten die Sondersitze. Die Auswärtsfans und die Heimtribüne durfen auf der wahnsinnig schönen Tribüne Platz nehmen. Die Farben grün und orange spiegelten sich auf den Sitzen und im Trikot wieder, wo das blau und rot herkommt (außer aus der Flagge von Südkorea) weiß ich aber nicht, was die beiden Kurven zierte. Alles bildlich festgehalten und mit geschenkter Klatschpappe auf meinen Platz. Dieser wurde auch 90 Minuten lang nicht verlassen.
Gangwon FC würde 2008 gegründet und es gibt wirklich nicht viel zu sagen zu dem Verein. So qualifizierte er sich 2024, nach mehreren schwierigen Zeiten, für die AFC Champions League Elite und konnte den ersten großen Millionentransfer abschließen. Yang Min-hyeok wechselte für vier Millionen Pfund mit gerade 20 Jahren nach einer Saison zu Tottenham und spielt aktuell in Belgien. Für die Londoner ist er noch ohne Einsatz.
Die Gäste haben da schon etwas mehr vorzuweisen. So ist Jeonbuk Hyundai Motors Rekordmeister in Südkorea mit 10 Titeln und darüber hinaus zweimaliger Champions League Sieger in Asien. Bekannte ehemalige Spieler oder Trainer, außer vielleicht Dan Petrescu, sind aber nicht hier untergekommen.
Die 5066 Zuschauemde waren gespannt, was der fünftplazierte Zuhause gegen die aktuell auf dem dritten Platz liegende Gäste auf die Beine bringen können. Gegen Anyang gab es ein lockeres 3:0. So leicht sollte es nicht werden und Jeonbuk nahm sofort den Ball an sich und spielte groß auf. Kaum eine Sekunde zum Durchatmen und so war es auch folgerichtig, dass die Gäste die Führung erzielten. Die Heimfans ließen sich aber nicht beirren und legten 90 Minuten einen guten Auftritt auf. Die weiteren Tribünen wurden mit Klatschpappen ausgestattet und die Fans wussten diese zu benutzen. Das Spiel lief kontrolliert ab und nur in eine Richtung. Bevor ich aber mir ne Verspannung holte pfiff der Schiri die erste Hälfte ab und ich konnte mal nach inks blicken. Die Green Monsters und die Mad Green Boys, die beiden Gruppen, haben umgekehrt angeflaggt. Der Grund ließ sich nicht herausfinden und allgemein waren die 120 Gästeblockbenutzer zurückhaltend am Werke. Die Mannschaft auf dem Feld dafür aber nicht. Die weitere Partie lief genauso wie zuvor. Jeonbuk machte ihr Ding und Gangwon hat nichts hinbekommen. Bis zur 59. Minute, als nach einer Ecke der Ball durch den Strafraum rollte und vom Schweden Hleihel über die Linie gedrückt wurde. Eine mögliche Strafstoß Situation wurde noch vom VAR gescheckt und einkassiert, was für sehr große Empörung sorgte. Auch hier scheint man unzufrieden mit der Einführung zu sein. Weitere Highlights blieben aus. Jeonbuk stolperte ab da häufiger und die Wechslungen der Offensivkräfte brachte keinen neuen Schwung auf das Grün.
Nach dem Spiel ging es zu Fuß zurück, da laut Maps kein Bus mehr fuhr um die Zeit. 45 Minuten später stand ich dann aber noch kurz in der Fast Food Kette mit dem großen M, der Hunger war dann doch zu groß. Dinniert und dann ab ins Bett.
K1-LEAGUE: 4/12 Stadien
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