08.09.2026 | K1-LEAGUE, 28. Spieltag
Incheon United FC gg. Bucheon FC 1995 2:1 (1:)
Sungui Park Stadium, ZuschauerInnen: 2.500 (200)
Der gestrige Montag wurde zur weiteren Erkundung von Seoul genutzt. Die Coex Mall und die Starfield Library haben sich sehr gelohnt. Bei über 30°C und prallte Sonne auch gut mal etwas drinnen zu machen. Wenn man ne Shopping Tour plant ist das die erste Anlaufstelle. Preis sind ähnlich zu Deutschland, vielleicht etwas günstiger. Im Gangnam-Viertel besichtigen wir noch die K-Pop Bären (oder doch Mäuse), eine Art Walk of Fame. Abends ging es noch zu einem Nachtmarkt, alles schön am Leuchten und blinken. Natürlich auch sehr crowded, mit Touristen und Einheimischen, würde es aber in jedem Fall einmal mitmachen und Bargeld vorher abholen. Der Tag wurde zusammen mit einer Mitstreiterin gestaltet, die ich vorher im Hostel kennengelernt habe (Grüße Theresa). Leider stand die Rückreise für sie schon am Dienstag an, sodass sich das Spiel am Abend nicht realisiert ließ. Wir springen zum nächsten Tag.
Der Dienstagmorgen verlief sehr ruhig bei mir. Mit leichtem Sonnenbrand und Kopfschmerzen, war nicht ans erkunden oder draußen sein zu denken. Mit Kaffee eingedeckt und den Cheonggyecheon im Schatten entlang geschlendert. Ein kleiner Wasserlauf mit Wasserfällen und vielen Sitzgelegenheiten. Sehr idyllisch. Auch lässt sich nach vier Tagen hier festhalten, dass Seoul deutlich ruhiger, als zuerst wahrgenommen ist. Der Umstieg von 20.000 EinwohnerInnen zu 24.000.000 war gewöhnungsbedürftig, lief dann Recht zügig ab. Zur Mittagszeit zog ich mich aber wieder ins Bett zurück. Lesen, schlafen, lesen, schlafen. 16:00 ging es dann zum Imbiss. Gimgane Mugyo Branch(김가네 무교점) ist meine klare Empfehlung für koreanisches Essen. Mit Bibimbap (eingelegtes Gemüse mit Ei) Gimbap (Sushi Variante aus Korea) oder Dumplings (gefüllte Teigtaschen) kann man ein super üppiges Menü für knapp 12 € bekommen. Kurze Wartezeit und am leichtesten zu bestellen über das Tablet mit englischer Sprachausgabe. Kurze Sätze sind überall möglich auf Englisch, nicht aber große Erklärungen oder hilfreiches erwarten. Ungewohnt mit europäischer Sicht aber verständlich bei der großen Distanz auch wenn die Welt immer verbundener wird. Jetzt aber zu verlangen, neben Schriftzeichen auch noch das lateinische Alphabet zu erlernen ist auch viel verlangt, nur um schneller essen zu bestellen, per Übersetzung und lächeln kann man viel erreichen. Mit der Linie 1 der Metro ging es für die nächsten 1:15 Stunden von der City Hall bis genau vor das Stadion, die Fahrt verlief ohne Besonderheiten, nur ist die Metro unter der Woche gegen 16-18 Uhr heftig voll, da alle von der Arbeit kommen. Also Kopf einziehen und durch. Das Klientel änderte sich aber von Station zu Station. Immer weniger Krawatten, dafür immer mehr Blau-Schwarzen Trikots. Dem Titel könnte man schon entnehmen, welche Begegnung auf mich wartet aber hier nochmals: Incheon United war der Gastgeber. Am Samstag das erste Mal gesehen und positiv überrascht, war ich hoffnungsvoll Zuhause etwas vergleichbares zu bekommen. Unter der Woche ist es vielleicht etwas unfair, dass beste zu erwarten, sind viele noch am arbeiten, und ist Fußball nicht Priorität Nummero Uno. Die Vermutung ließ sich auch bekräftigen, da kaum ältere Menschen zum Stadion unterwegs war. Viele Kinder und Jugendliche mit vielleicht etwas mehr Zeit waren unterwegs. Ob ein Koreaner 20 oder 30 oder gar40 ist auch schwer zu erkennen für mich.
In Dowon angekommen und raus aus dem Bahnhof stand das Stadion schon vor einem. Keine 500 Meter Luftlinie von den Gleisen. So muss das! Schnell die Kamera gezückt und alles festgehalten, da wird man schon von der Fanmasse vorangetrieben. Das Stadiondach hat eine Hufeisenform und ist wellenförmig konstruiert. Erinnern soll es an ein Boot. Da es Recht nah am Meer liegt und Incheon eine Hafenstadt ist, ist es verständlich. Das Wappen des Vereins ziert auch das Schiffsrad. Tolles Teil mit Speiseangeboten außerhalb des Stadions; wieder etwas neues. Mit Stempel auf dem Handrücken kommt man ohne Probleme raus und wieder rein. Die Tickets sind mit 20.000 Won die bislang teuersten (12,80 €), immernoch aber sehr unterdurchschnittlich im Vergleich zu Deutschland. Es war mal wieder für die Gegengerade auf der es mich aber nur die erste Halbzeit hielt, dazu aber später mehr.
Die Heimmannschaft war der schon erwähnte Incheon United FC, gegründet 2003, als in Incheon das Stadion zu WM gebaut wurde und danach leer blieb, wollte die Stadt einen eigenen Profiverein. Der Verein hat also kein Unternehmen als Gründer sondern die eigene Stadt, was hier ein Alleinstellungsmerkmal ist. Man bemerkt aber keinen Unterschied in der Darstellung oder Betonung des ganzen. Gespielt wird aber nicht im WM Stadion, da es mit über 50.000 Plätzen zu groß ist, spielt man seit 2011 in einem 22.000 Plätze fassendem Stadion mit besagter Hufeisenform. Die Incheon United Bomb Squad gilt als führende Gruppe in der Kurve, ohne klar lesbare Zaunfahne aber nicht zu bestätigen meinerseits. Root war mit Fahne und Zaubehängung anwesend. Auch gibt es außer den Zaunfahnen keine erkennbaren Gruppenzugehörigkeiten. Keine Shirts oder ähnliches, alle im Heimtrikot und lauthals am mitsingen. Die Trikots finden sich auch überwiegend im Stehbereich wieder. Auf den Tribünen rundherum sind sie kaum vertreten, also konträr zum mir bekannten Bild aus Europa.
Zu den Gästen möchte ich nicht zu viel verlieren, da der Bucheon FC 1995 meinen Abschluss geben wird in Südkorea, nächste Woche, vorausgesetzt alles verläuft nach Plan. Unter der Fahne Ultra Hermes traten 150 Streiter den Weg an zu dem Cheon-Derbs, wie ich es dreist getauft habe. Eine Che Guevara Fahne wurde geschwenkt und eine mit einer Brasilienfahne und Konterfei eines Brasilianers. Während der Mannschaftsaufstellung gab es auch gegenseitige Buhrufe und Pfiffe. Also etwas Spannung lag in der Luft, was verständlich ist bei der kürzesten Distanz in der K1-LEAGUE, mit knapp 19 km, die beide Stadien voneinander trennen.
Bekannte Spieler kamen mir nicht unbedingt unter, mit Ausnahme von Stefan Mugoša, Stürmer aus Montenegro. 2. Bundesliga-Kenner könnte er bekannt vorkommen. Als Spieler von Kaiserslautern verpflichtet und so nach Deutschland gekommen. Ausgeliehen nach Aue und abgestiegen. Dann nach München gewechselt und verliehen nach Karlsruhe zur Winterpause. Mit dem KSC direkt Abstieg. München ist ebenfalls abgestiegen und so war er vertragslos und nach zwei direkten Abstiegen und einem indirekten endeten seine drei Jahre in Deutschland mit sechs Toren auch eher bescheiden. Bucheon hatte wieder vier Brasilianer im Kader, für das Kreative.
Rein ins Spiel und Incheon legte auf den Rängen mächtig vor. Laute Gesänge und das coole "Oho-Incheon-eon-eon" mit starker Untermalung der Trommel in doppelter Ausführung hatte Sog. Auf dem Platz war es deutlich ruhiger mit behutsamen Abtasten. In der achten Minute kamen die Gäste zu einem Abschluss, aber das war es dann erstmal. Wieder das Bild, wie in den beiden Spielen zuvor: Disziplin über Alles und die einzelnen ausländischen Spieler für kreatives. Das Spiel tröpfelte vor sich hin, bis in der 33 Minute der Ball zum ersten Mal im Kasten lag. Ein Querpass ohne Adressat wurde von Galego (ein Brasilianer, wer auch sonst) abgefangen und nach einem Sprint das halbe Spielfeld wurde der Ball locker am Keeper vorbeigeschoben. Der Tabellenzehnte (von 12 Teilnehmern) lag vorne und beflügelte die Ränge vermehrt zu singen und geschlossen zu hüpfen, zu jubeln, zu feiern. Incheon ließ sich nicht unterkriegen und blieb bei ihren Gesängen mit wilder Trommeluntermalung. Auf dem Platz kam aber jeweils wenig davon an und der zähe Kick ging weiter. Kurz vor dem Halbzeit Pfiff flankte ein Spieler der Heimmannschaft in den gegnerischen Sechszehnmeterraum, auf Verdacht lässt sich vermuten. Und zuvor erwähnter Mugoša köpfte Incheon zurück ins Spiel. Mit Lichtinstallationen und Horngeblase (Werder lässt grüßen) wurde zelebriert. Die Halbzeit endete und ich begann meine Rundreise durchs Stadion. Mein Ziel war die Haupttribüne, um schöne Bilder zu schießen vom Incheon Schriftzug im 3D-Look auf den Sitzen. Einmal unter der Kurve durch, ohne Probleme, kam ich zur Ticketkontrolle für die Westseite. Eine freundliche Dame bat um mein Ticket. Ich gab an, nur zum Laden zu wollen für ein Getränk. Damit war sie unzufrieden und ich händigte ihr das schöne gedruckte Ticket aus. Nach Begutachtung überreichte sie es mir und ließ mich mit breiten Grinsen durch. Nach Ticketkontrolle in den falschen Block gelassen zu werden ist auch neu für mich, aber so sei es. Hoch auf die Tribüne und hinter eine Schulklasse oder vergleichbares gesetzt und die Tribüne fotografiert. Ziel erreicht und zurück in den beheimateten Block. Am Eingang stand diesmal eine neue Dame und ich musste das Ticket wieder vorzeigen. Rausgelassen wurde ich aber nicht. Mit dem Ticket aus dem falschen Block zurück in den richtigen geht also nicht. Auch neu für mich. Also auf der Haupttribüne die zweiten 45 Minuten verbracht, direkt neben den KommentarInnen und ReporterInnen. Die besagte Klasse war fleißig am zocken und das Spiel war Nebensache nur. Pokémon Go und Champions lief über die Bildschirme, manche ließen Streams laufen. Stabiles Internet und modernere Handys als ich selbst eins habe. Mit einer sieben minütigen Einlage auf die Melodie von "Bella Chiao", bei der das gesamte Stadion einstieg, ging die zweite Hälfte los. Es war schon sehr bemerkenswert. Die Kinder ließen ihre Pokémon-Fangversuche auch kurz und sangen ein- oder zweimal mit. Zur 65. Minute kippte die Stimmung allmählich und es gab auch Pfiffe aus der Kurve. Die Partie war auch unterdurchschnittlich, und das auch für die koreanischen Verhältnisse. Das Pfeifkonzert schien aber Wirkung zu zeigen, denn der Innenverteidiger Ibiza (ehemals Spieler bei UD Ibiza) knallte nach einer Ecke einen Volley mit links so dermaßen schön in den rechten Winkel. Das Tor so vor der eigenen Kurve zu erzielen, setzte nochmals mächtig Energie frei und Incheon warf alles rein. Auf Rasen und Rängen kam mächtig was zusammen und Bucheon gab keinen Ton mehr von sich und musste alles dran halten nicht noch ein Tor zu kassieren. Das blieb leider aus, aber die Führung reichte, um die potenziellen Abstiegsplätze zu verlassen und etwas ruhiger auf die nächsten Spiele zu Blicken. Das Stadion ist ein Brecher und auch die Szene hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei mir und beim nächsten Besuch wird Incheon wieder Teil meiner Spiele werden. Das Spiel wurde durch die Sieben Minuten Nachspielzeit unnötig in die Länge gezogen, was schon WM-Feeling dadurch bekam, war es doch bis auf das Tor ohne Highlights oder Unterbrechung geblieben.
Nach Abpfiff ging es schnell runter und zurück zur Bahn. Stand die Abreise für den nächsten Tag an und das damit verbundene Verlassen der Unterkunft für 6:00 Uhr auf dem Plan. Das mit dem Schlafen klappt immernoch nicht und so blieb es wieder bei drei Stunden und der weiter hohe Kaffeekonsum bleibt erhalten.
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