06.09.2026 | K1-LEAGUE, 27. Spieltag
FC Anyang gg. Gangwon FC 0:3 (0:1)
Anyang Stadium, Zuschauer: 5500 (150)
Durch die lange Anreise am Vortag machte sich der Jetlag nicht bemerkbar und ich schlief durch bis acht Uhr morgens. Nach einem Frühstück, bestehend aus Toast mit Käse sowie geräucherten Eiern, ging es auf der Suche nach Kaffee gen Norden. Mit dem koffeinhaltigen Getränk in der Hand weiter zum Changdeokgung, einem Palast aus der Joseon-Dynastie, mit Garten, Schrein und Tempel mit Platz für Festlichkeiten. Sehr sehr cool, wie die Geschichte so weit entfernt vonstatten ging. Von da ging es zum Bukchon Hanok Village, dem bekannten Stadtteil für traditionelle Koreanische Baukunst. Verwinkelte kleine Gassen mit flachen Häusern im klassischen asiatischem Stil. Wichtig: nur von 10-17 Uhr besuchen, da hier Menschen leben auch nicht an Fenster Türen oder ähnliches Klopfen. Fotos dezent halten und dann gehen alle zufrieden raus. Bleibt lieb. Das Hauptziel war aber Gyeongbokgung, dem ältesten und größten Palast der Joseon-Dynastie. Erbaut unter König Taejo. Zu empfehlen ist die Tour um 11 Uhr morgens, da die Guides gutes Englisch sprechen und sehr gute Fakten preisgeben, danach hat man noch reichlich Zeit sich den Rest anzugucken und am Nachmittag wird es echt heiß auf dem freien Platz. Ein kleines Museum und weitläufige Gärten mit Teichen, Brunnen und Blumenbeeten sind wunderbar anzusehen und bieten den guten Ausgleich zum Asphaltdschungel Seoul. Insgesamt habe ich mich 5 Stunden hier beschäftigt bekommen. An den Hauptpunkten tummeln sich aber immer sehr viele Menschen. Noch kurz bei Mega Coffee mit den nächsten Riesenkaffee eingedeckt und Richtung Süden mit der Metro Linie 1. Ziel war Anyang.
Die Fahrt dauerte 50 Minuten ohne weitere Umstiege. Von hier mit einem kurzen Fußmarsch Richtung Innenstadt. Anyang ist komplett unter meinem Radar, bietet aber eine lebhafte Fußgängerzone mit tollen Restaurants und den typischen Gatchaläden. Skulpturen und Kunstinstallationen säumten den Weg vom Bahnhof hinauf. Alles ganz hübsch hier, selber bin ich auch ein großer Fan dieser Leuchtschilder und des stark urbanem Raumes. Hier kann man sich auch Mal ein wenig aufhalten wenn man in Seoul ist und dem Trubel entkommen möchte. Für längere Aufenthalte ist die Ausbeute doch dann aber zu dünn. Ein Glück führte mich aber nicht die Umgebung sondern der Spielplan der K1-LEAGUE nach Anyang. Der in Lila auflaufende FC Anyang empfing den FC Gangwon, aktuell Tabellen vierter. Die Gastgeber hausten vor Anpfiff auf dem Tabellenplatz Nummer sieben, was der erste Platz für die Abstiegsrunde bedeutet. Bei nur noch sieben Spielen und drei Punkten Rückstand zum rettenden Ufer alles möglich aber schwer ist es dennoch. Nur eins der letzten fünf Spiele konnte siegreich gestalten werden.
Am Stadion gestaltete sich der Ticketkauf problemlos, mal wieder. Ein Foto vom Stadionplan gemacht und mich für die Gegengerade entschieden, mal wieder. Für umgerechnet 11€ hatte ich das zweite schön gedruckte Ticket in der Hand. Einmal den üblichen Rundgang gemacht, alles fotografiert und wieder bemerkt, dass nirgends Sticker zu finden sind. Kein Teil der Fußballkultur hier und höchstwahrscheinlich auch zu stark bestraft. Der ein oder andere Sticker sollte sich aber jetzt auffinden lassen, vermute ich.... Aber egal. Rein ins Stadion und alles weitere erkundigt. Eine große Schüssel mit Laufbahn und ehemaligen Stehtribünen auf die orangene und grüne Sitze geschraubt wurden. Tolle Farbwahl bei lila-schwarz als Vereinsfarben. Nicht. Ein paar lila Plätze gab es weiter oben, die auch dringend zu empfehlen sind, möchte man das Spielfeld sehen. Zwischen der Tribüne und dem Spielfeld würde nämlich auf drei Seiten eine weitere Tribüne jeweils platziert. Einfach zwischen vorgesehene Plätze und die Laufbahn. Diese waren auch komplett voll und die A.S.U. Red (Anyang Supporters Union Red) platzierten sich hinter dem Tor auf der Extratribüne. Gab einen tollen Blick auf deren geschehen, auch wenn es 90 Minuten deplatziert wirkte mit dem Ministadion im Stadion. Der Support startete mit Klatscheinlagen und 'ohohoh' Gesängen. Alles schon bekannt und dann kam die Steeldrum und es ging richtig ab. Mit lila Lichtstäben bestückt, die freudig geschwungen wurden, kam ein guter Auftritt zum Aufwärmen zustande. Die Auswärtsfans waren mit 150 Personen vor Ort. Nicht viel aber, jeder Auswärtsfahrer verdient Respekt, der die 220 km auf sich nimmt, für einen Kick um 19 Uhr. In Europa nichts ungewöhnliches, mit tausenden die Blöcke zu füllen für 20:45 Uhr Spiele unter der Woche, aber wichtig anzumerken ist, dass Fußball hier nicht der Mittelpunkt ist sondern einfach nur Sport. Südkorea ist sportverliebt, und so teilt sich die Fanbases auf und Fußball nimmt hier kein Monopol ein. Es gibt eine kleine Ultrakultur aber hauptsächlich wird bei Heimspielen supported. Die Gäste waren mit einer Trommel und zwei Fahnen bestückt aber ohne nennenswerte Highlights. FC Anyang lag also auf den Rängen deutlich vorne. Auf dem Platz lief es komplett andersrum. Die lila-schwarzen hatten nichts zu melden und Gangwon legte sofort los. Hatte vor aggressiv anzugehen und drückte auf die frühe Führung. Diese blieb aber die ersten 19 Minuten aus, mehr aus Unvermögen der Stürmer, als durch grandiose Abwehrleistungen. In der zwanzigsten Spielminute erzielten die Gäste das verdiente 0:1 durch einen in den Rückraum gespielten Freistoß. Die Heimfans müssten kurz durchatmen und begannen dann wieder mit dem Support. Toll wie stark die Motivation von den Rängen ist. Schade zu sehen, wie wenig davon auf dem Platz ankommt. Der Spielverlauf wurde daraufhin noch deutlicher und Anyang Kam kaum aus der eigenen Hälfte raus. Weitere Tore kamen in der ersten Hälfte keine mehr. Die Stimmung blieb aber weiter ruhig und viele Familien machten eine Art Picknick auf den Tribünen, mit Decken auf dem oberen Gehwegen und mitgebrachten Speisen und Getränken. Die Blöcke sind auch hier auf der Tribüne abgetrennt, die Speisen gibt es aber im Innenraum des Stadions (wo auch sonst) somit kommt man von dort ins gesamte Stadion. Ausgenommen ist natürlich der Auswärtsblock. Während der Pause hatte auch ein Getränkeshop unter der Tribüne auf, mit Beginn der zweiten Hälfte durfte sich aber niemand mehr anstellen und der Laden musste schnell zumachen. Vielleicht wollten die noch die Mannschaft von den Rängen aus unterstützen. Mit dem Startpfiff ging die Steeldrum wieder los und die Stimmung stieg. Die Fahnen wehten im Wind und das gesehene gefiel gut. Auf dem Platz war immernoch Murks... Zwei weitere Tore, nach Abwehrfehler und Flugeinlagen des Keepers ins nichts, war auch der letzte positive Gedanke in den Köpfen der Fans ausgesiebt. Die Ränge leerten sich ab der 80. und die Gesänge nahmen ab. Schade aber so ist der Sport. Gangwon festigt den vierten Platz und Anyang verlierte einen Platz in der Tabelle. Kulinarisch hab ich mir die tornado potato und ein Frozen Margarita genehmigt. Ein Oreo Churro noch als Dessert. Die Auswahl an Speisen im Stadion ist schon sehr abstrakt im Vergleich zur Stadionwurst.
Für die Rückfahrt ging es wieder zur Metro Linie 1. Zu Fuß sind es 40 Minuten, lohnt sich nicht wirklich, da ist der Bus die bessere Wahl, aber mein Schrittzähler hat sich gefreut, die 30.000 Schritte zu erreicht zu haben. Zurück im Hostel, geduscht, ab ins Bett um zu bemerken, dass der Jetlag kickt. An Schlaf war überhaupt nicht zu denken, mehr Zeit zum Filme gucken und lesen aber weniger zum erholen.
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