🇰🇷 FC Seoul gg. Incheon United 1:0

05.09.2026 | K-League 1, 27. Spieltag 

FC Seoul gg. Incheon United 1:0 (0:0)

Seoul World Cup Stadium, Zuschauer: 21.000 (1.500)

Wir beginnen meinen ersten Reisebericht auf dieser Seite mit Ungewissheit und viel Vorfreude. Wenn alles nach Plan läuft komme ich wieder mit 2 Länderpunkten und 13 neuen Stadien in 20 Tagen. Meine Reise begann am Freitag dem 04.09.2026 in München um 9:44 mit dem Einsteigen in die S1 zum Flughafen. SEEIN' STARS: ELTON JOHN VERSION von Turnstile feat. Elton John auf den Ohren und mit einem genauen Zeitplan im Oberstübchen. Mein Flug nach Seoul war angesetzt für 16 Uhr mitteleuropäische Zeit und die Landung für 10 Uhr südkoreanische Zeitzone. Anpfiff um 19 Uhr, also massig Zeit. Wir blicken etwas weiter vorraus. Am Flughafen ist nichts vorgefallen, außer dass die 21€ Pizza meinen Magen nicht so füllte wie sie mein Sparschwein leerte. Noch etwas Schlaf nachgeholt am Gate und im Flieger sollte es so weitergehen. Nur hat sich mein Körper darauf eingestellt durchzumachen und an weiteren Schlummerminuten kam nichts mehr hinzu. Drei Filme wurden dafür aber angesehen und gelesen wurde auch noch. Das Essen, was die Lufthansa servierte war auch in Ordnung. Bei mir gab es Hühnchen mit Reis und Kimchi als Abendessen und zum Frühstück Omelette mit Kartoffel. Zwischendurch habe ich mir noch eine Packung Studentenfutter und acht Erdnussriegel einverleibt, was man halt so macht 9.000 Meter über dem Meeresspiegel.

In Seoul ging es erstmal zur Immigration, und mit gescanntem Fingern und neuen Bildchen lief ich sofort zum A*REX. Dem Zug, der Seoul mit dem Flughafen Incheon verbindet. Dieser liegt gut 50 Km außerhalb der Stadt. So ist die 43 minütige Verbindung für knapp fünf Taler ein gern genommener Preis. Schonmal vom Fenster die Stadt bestaunen und realisieren, was 30°C und 93% Luftfeuchtigkeit so mit einem anstellen können. Unangenehm aber ich gewöhnte mich nach kurzer Zeit daran, schnelle Anpassung war immer eine Stärke von mir. Nur das überall die Klimaanlagen 110% geben, nervt dann im Kontrast schon etwas. 

Einquartiert habe ich mich im Seoul Cube Jongro im Stadtteil Janggyo-dong, da es zentral liegt. 5 von 9 Metrolinien, Bus und Hauptbahnhof sind alles per pedes zu erreichen, so dass alles erlebt und gemacht werden kann ohne Gefahr zu laufen nicht mehr zurückzukommen. Zum simpleren Transport entschied ich mich für die T-Moneycard, welche es am Bahnhof gibt oder in den mannigfaltigen 7-Eleven-Stores. Diese müssen mit Won in Bar aufgeladen werden, ermöglichen aber das schnelle einsteigen in Metros und Bussen. Beim aussteigen nochmals auschecken, um Nachzahlung beim nächsten einchecken zu vermeiden. Die Fahrkarten kosten mit knapp 1.500 Won (~1€) nicht die Welt, aber das kaufen an den Maschinen ist mühselig und da ist die Karte deutlich praktischer. Es gibt soweit keine Kontrolleure, aber die Bahnhofe sind durch Schranken abgeriegelt und die Scanner im Bus sind neben dem Busfahrer und geben einen lauten Ton von sich. 

Im Hostel angekommen ging es unter die Dusche und schnell wieder raus in die Stadt. Das Zimmer ist in Ordnung und für eins mit geschlage 31 anderen Männern erstaunlich ruhig. So ein Hostel wollte ich schon seit langem selbst sehen uns drin nächtigen. Und es ist erstaunlich, da habe ich in 5 Bettzimmern mehr störendes gehört. Schön, wenn sich alle an die Regeln halten. Mit der Linie 2 ging es nach Hongdae, einer belebten Gegend mit vollen Einkaufsstraßen und abgeschiedenen Gassen mit kleinen Märkten. Sehr große Kontraste hier auf kleinem Raum und schonmal ein guter Auftakt. Ein bis zwei Stunden kann man auch hier problemlos verbringen, die Massen verlaufen sich gut und überall gibt es kleine Läden zum bestaunen und betreten. Essenstechnisch hatte ich den 7-eleven-Fertigramen genommen, da ich das Prinzip vom im Supermarkt essen mal tesen wollte. Klassische auch hier bekannte Waren im ungewohnten Setting. Von da ging es mit dem Bus direkt vor das Stadion.

Das für die Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan wurde das Word Cup Stadium gebaut und schon 2001 eröffnet. Seit 2004 ist es auch die Heimstette des FC Seoul. Vorher spielte er in Anyang, da aber der koreanische Fußballverband wollte, dass die Vereine wieder stärker in der eigentlichen Region verankert werden siedelte der Verein zurück. Außerdem könnte sich so der FC Seoul am der Finanzierung beteiligen für das Stadion für die WM. Selbiger wurde 1983 gegründet von der LG-Gruppe und zog einige mal um in der frühen Geschichte, Namenswechsel inklusive. Seit 2005 gehört es einem Energiekonzern. Als Franchise-Verein hätte Seoul in Deutschland einen sehr schlechten Stand (Grüße gehen raus nach Leipzig). In Asien, speziell in Südkorea und Japan ist es aber gang und gäbe. Bluewings Suwon, FC Seoul, Gamba Osaka um nur einige Beispiele zu nennen, die als Franchise-Vereine existieren. Es macht die Leistung der Fans aber auch interessant. Gibt es in Deutschland Proteste der Ultras, gegen Vorstand, Verband oder Investoren, ist der bedingungslose Support hier das Hauptziel. Auch wird nicht gefackelt, da heftige Strafen mit Gefängnisaufenthalten auf einen zukommen können. Es gibt keine Proteste gegen mögliche Unternehmen, da jeder Verein ein "Werksklub" ist. Was jetzt nicht heißen soll, dass Konstrukte wie Leipzig oder Werksvereine wie in Wolfsburg jetzt Top sind. Zwischen Deutschland und Südkorea liegen aber auch gut 9.000 km und verschiedene Denk- und Lebensweisen, das zeigt sich auch im Sport. 

Der Platz rund um das Stadion war 90 Minuten vor Spielbeginn brechend voll und das hatte auch gute Gründe. Unter dem Stadion existiert ein Supermarkt, den man unbedingt aufsuchen sollte. Eindecken mit Speisen und Getränkem ist üblich und kein Problem. Alles an Snacks ohne erkennbares Limit und Getränke mit maximal einem Liter Füllmenge kann man mitnehmen. So ging es mit Cola, Chips und Mikado sowie Sandwiches weiter ums Stadion. Ein Kino (was auch sonst), Restaurants sowie ein Flohmarkt fanden sich ebenfalls unter dem Stadion wieder. Den langen Treppen zum Stadion lag ein Fest zu Füßen. Der Anlass wurde durch ein drei Meter hohes Pikachu leicht zu erkennen. Pokemon ist 1999 in Südkorea gestartet und seit dem gehört es zu einem der beliebtesten Franchises. Aber das entfernt sich meinem Interesse und so zog ich weiter vorbei an Bierständen, Fressbuden oder Tombolaziehungen. Lustig, wie ähnlich es doch überall auf der Welt ist. Überall riecht es nach Bier, alle sind im Trikot. Die Speisen sind mit frittiertem Hühnchen und Corndogs anders aber cool. Treppen rauf und zu meiner linken stand auch der Ticketschalter für Ausländer. Meine erste Befürchtung war, in einem gesonderten Bereich geschickt zu werden. Aber dem war überhaupt nicht so: Ein Ticket für die Gegengerade im Oberrang für umgerechnet knapp 8€. Stabiler Preis. Allgemein lässt sich jetzt schon anmerken, dass keine Tickets online gekauft werden sollten. Im Durchschnitt sind Stadion nicht mal 50% gefüllt und beim Anlegen von Konten werden soviele Daten verlangt, teilweise solche, die auf normalem Weg als Ausländer nicht zu erhalten sind. Da vor Ort aber alles entspannt ist, ohne Kontrollen, ist es sehr verwunderlich, was die alles im Onlineshop wissen möchten. Das Stadion ist in Vier Blöcke unterteilt: Nord für die Seoul Ultras, Süd komplett für auswärts reserviert. Osten und Westen Sitzplätze für den Rest. Im Osten war ich und ist auch sehr zu empfehlen, da man sich frei auf dieser Tribüne bewegen kann und beide Kurven sich separat genießen kann. Auf Höhe der Mittellinie erstmal Platz genommen, um zu schauen wo es mich hinzieht. Meine erste Erwartung war, das Seoul die Oberhand haben wird. Spielerisch und auf den Rängen. Als das Einsingen auch schon sehr melodisch klang mit sehr hoher Mitmachquote in der Kurve. Die Auswärtsfans waren auch in großer Stückzahl vorhanden, aber ohne groß aufzufallen. Fleißig Fotos gemacht von der schönen Dachkonstruktion und rein ins Spiel. 

Und mit Beginn ging auf den Rängen eine Party los! Incheon legte brachial los mit extrem lauten Klatscheinlagen und melodischen Gesängen. Auf dem Platz wollten die Gäste ebenfalls zeigen, was ihnen steckt, nur ging der Plan komplett nach hinten los. Nach 3 Minuten sah ein Abwehrspieler die rote Karte wegen einer Notbremse. Danach war es auf dem Platz dahin mit der mutigen Gangart. Auf den Rängen ging es aber weiter mit der Party. Durchgehend wurde hier gesungen und gejubelt, vollkommen unabhängig vom Spielgeschehen. Zu den Heimfans lässt sich festhalten, dass ein fester Ultrablock, alle in schwarz, zentral steht und tonangebend ist. Viele Fahnen wurden geschwenkt und Zaunfahnen hingen lückenlos. Die Gesänge waren kürzer, brachialer und mit häufigeren Pausen versehen. Machte trotzdem sehr viel her. Ich kam mit dem Wunsch die Stadien der Weltmeisterschaft zu kreuzen, fange aber immer mehr an mich für das Kurvengeschehen hier zu interessieren. Aus der Überlegenheit auf dem Platz konnte Seoul nichts gewinnbringendes ziehen und so brachte ein Eigentor des anderen Verteidigers die Heimmannschaft in Führung und dabei blieb es schlussendlich auch. Das Spielniveau ist nicht so hoch und weniger körperlich. Häufiger wird alles im eins gegen eins entschieden. Vielleicht liegt es daran, dass viele Brasilianer nach Japan und Südkorea wechseln. Ganz so trickreich war es dann auch wieder nicht aber schon schön anzusehen. Im Gesamten ein sehr guter Auftakt für diese Reise mit dem Länderpunkt und neuem Wissen über den südkoreanischen Fußball. 

Mit dem Bus ging es noch zurück ins Hostel und ich konnte endlich meinen Schlaf nachholen. Bevor der erste komplette Tag in Seoul anbrechen sollte. 

Länderpunkt: 11/243

K1-League: 1/12