23.08.2026 | DFB-Pokal 1. Runde
Bahlinger SC gg. 1. FC Magdeburg 0:4 (0:3)
Kaiserstuhlstadion, Zuschauer 3545 (1000)
Als wäre ein Pokalspiel nicht genug ausreichend, wurde weit im vorraus auch schon die Rückfahrt von Köln mit einem weiteren Pokalspiel geplant. Die finale Auswahl fiel auf Bahlingen gegen Magdeburg. Also früh morgens von meiner Schwester und ihrem Schwager (Danke für den Schlafplatz!) zum Hauptbahnhof. Wie es sich für Zugfahrten gehört vorher noch mit einem Kaffee eingedeckt bekam ich beim Bezahlvorgang die Information, dass mein Zug einige Minuten verspätet eintreffen wird. Also den Kaffee entspannt am Gleis eingenommen und gewartet und gewartet und gewartet. Innerlich konnte ich ruhig bleiben, weil die Umstiegszeit in Freiburg locker reichte. Dennoch ist es uncool wenn die Zeiten sich immer weiter nach hinten Verschieben. Aber da ist man bei der deutschen Bahn auch schlimmeres gewohnt (ich erinnere nur an den letzten Freitag). 35 Minuten später kam der Zug und war erstaunlich leer, was die Platzsuche erleichterte. Platz genommen, Tablet raus, um noch die restlichen Berichte zu vervollständigen und schon holte sich mein Körper den restlichen Schlaf ohne mein Zutun. Zweieinhalb Stunden später komplett desorientiert aufgewacht, nur um zu realisieren, dass es gleich rausgeht. Soviel zum Berichte schreiben. Gut erholt kam ich also in Freiburg an.
Freiburg im Breisgau ist mit seinem Bächle durch die Altstadt und dem Münster eine wunderschöne und erholsame Stadt, die zum verweilen einlädt. Leider war nicht die Zeit zum schlendern. Beim Backwerk einen Kaffee gezogen und mit Brezeln eingedeckt ging es nach Emmendingen. Am Gleis sammelten sich schon die ersten Blau-weißen aus der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt. Durchweg gut gelaunt stiegen alle in die Regionalbahn und nach 10 Minuten Fahrt trotteten alle Richtung Bus nach Bahlingen im Kaiserstuhl. Ich ging zu Fuß da noch das 12 Uhr Spiel vom FC Emmendingen anstand (es wird keinen Bericht geben). Am Platz mit der üblichen Besatzung zusammengeschlossen (hallo ihr Lieben!). Bei den ersten Kaltgetränken des Tages und spaßigen Gesprächen verbrachten wir die 2. Runde in südbadischen Pokal (5:1 für Emmendingen am Ende). Der Stadionsprecher bedankte sich bei der aktiven Hopperschaft für das rege Treiben am Bier- und Wurststand. Zum Anpfiff wünschte selbiger Stadionsprecher noch viel Spaß beim DFB-Pokalspiel und der FC Emmendingen hatte das Spiel auch von sich aus auf 12 Uhr Mittags gelegt, um es Doppelbar zu machen. Sehr aufmerksam und eine gute Möglichkeit um mehr Umsatz zu machen. Gemeinschaftlich ging es die letzten Kilometer mit dem Auto zum Kaiserstuhlstadion. Bahling ist eine kleines Örtchen mit 4.500 Einwohnern und Einwohnerinnen. Bekannt für den Weinanbau und bis 2019 hab es dort den jährliche Bahlingen-Cup bei dem es auch zum ersten und bis zum Sonntag einzigen Aufeinandertreffen des BSC und des FCM kam im Jahr 2015. 3:1 gewann die Südbadener damals und innerlich hofften viele auf ein ähnliches Ergebnis. Auch war das Selbstbewusstsein sehr groß bei den Roten. So ist man im kleineren Kaiserstuhlstadion geblieben, da die Hoffnung auf einen "großen" Club nicht erfüllt wurde. Traurig, dass der Sieger des Europapokal der Pokalsieger von 1974 kein großer Verein mehr ist. Aber so konnte ich das kleine Stadion endlich kreuzen mit einem guten Spiel. Einige Fans der Heimmannschaft malte sich auch schon ein Weiterkommen aus und sprachen über Wunschgegner, um in Freiburger Dreisamtstadion auszuweichen. Geld ist da schon der starke Treiber auch wenn im Stadion alles ehrenamtlich geregelt wurde, was auch eine Kostensenkung bedeutete. Am Stadion noch mit dem fünften Mitstreiter zusammengeschlossen und rein ins Stadion. Ohne Taschenkontrollen ging es zum Bierstand und ab zum Grün.
Das Kaiserstuhlstadion bietet Platz für fast 4500 Zuschauer und Zuschauerinnen, was es möglich macht, das gesamte Örtchen im Stadion zu quartieren. Üblicherweise einen kleinen Überdachten Bereich und eine Gegengerade mit zwei Tribünen mit je 100 Sitzplätzen. Für das Pokalspiel würde ein VIP-Bereich aufgebaut. Konsequent von Magdeburgerm besetzt. Die Blau-Weißen hatten knapp 1000 Leute mobilisiert, was auf einen Sonntag mit Minimum sechs Stunden Fahrzeit eine respektable Leistung darstellt. Der selten genutzte Gästeblock wurde nochmals erweitert und führte teilweise unter die kleine Tribüne mit Sitzplätze. Ein kleiner Satz an Magdeburger schaffte es aber nicht in den Auswärtsblock und sortierte sich drumherum. Ohne optische Stilmittel, aber dafür alle in weißen Shirts und Schals, schaffte schonmal ein stimmiges Bild. Es war mein drittes Spiel mit Beteiligung des Block U und wieder keine Stillmittel, könnte also auch an mir liegen.
Ab zum Anpfiff. Magdeburg spielte entspannt auf, doch Bahlingen probierte schnell ins Spiel zu kommen und erarbeitete sich auch immer wieder Abschlüsse. Aber zwingender würde es nicht. Aber als in der fünften Spielminute der Stürmer der Magdeburger zum 0:1 traf war klar in welche Richtung es heute gehen wird. Der Rasen war heute katastrophal, was das aufdribbeln und Flachpassspiel unmöglich machte. Ein Kopfball und ein sehr sehenswerter Fernschuss von Baris Atik zum 0:3 gab auch einen kleinen Vorentscheid. Bahlingen gab sich aber nie auf und trat nie kampflos entgegen. Fantechnisch waren Kunden und Normalos anwesend und die Maestros 353 eine kleine Gruppe bestehend aus sechs Kindern mit einer Trommel und zwei verdammten Megafonen, in die bei jeder Aktion lauthals hineinschriehen wurde und auch freudig bei Ecken auf die Sirenen gedrückt wurden. Ich hab mir sagen lassen, dass die bei jedem Heimspiel aktiv sind. Witzig und Aktive Unterstützung ist immer gut. Leider waren die Megafone so laut, dass ich die Magdeburger Gesänge kaum verstehen konnte. Der Song 'wir waren noch niemals in Paris; wir waren noch niemals in Madrid' erklang lange und war auch sehr stimmig. Akustisch durch die Nebengeräusche und durch baulichen Gegebenheiten unterweltligend. Häufige Wechselgesänge mit den außenstehenden Magdeburger waren sehr brachial und langanhaltend. Die typischen doppelten 'FCM' Gesänge kamen auch zum Tragen und wiesen eine 100% Mitmachquote auf. Zur zweiten Hälfte haben wir uns Sitzplätze auf der kleinen Tribüne frontal zum Auswärtsblock geschnappt. Allgemein waren noch knapp 500 Karten im Vorverkauf verfügbar, die Sitzplätze eigentlich auch noch aber für 45€ wollte die keiner haben. Da es aber keine Kontrollen gab saß man einfach dort und niemand störte sich daran. Sportlich wiederholte sich das gesehene: Bahlingen probierte und wollte zeigen, was ihn ihnen steckt. Müsste man dieses Jahr bitter den Abstieg hinnehmen. Der Plan für diese Saison ist aber klar wieder der Aufstieg und in einer schlechten Oberliga Baden-Württemberg ist es durchaus realistisch. Aus sehr kurzer Distanz traf Falko Michel noch zum 0:4 in der 77 Minute und entschied endgültig das Spiel. Im großen und ganzen ein verdienter Sieg, aber zeigte das Spiel die Stärken von Bahlingen (viel Leidenschaft und Bereitschaft zu laufen mit guter spielerischen Anlagen) und die schwächen von Magdeburg (viele Pässe ohne Möglichkeiten nach vorne zu kommen und wenn man den Druck erhöht wird die Defensive wild und löchriger als Käse). Vieles lag am schlechten Platz aber ganz bestimmt nicht alles.
Nach dem Spiel dünnte sich das Stadion schnell aus und wir zogen uns auch zurück. Noch schnell alle Futbology Daten ausgetauscht und mit dem Auto ging es zurück in den schönen Schwarzwald. Viel geredet über Sammelleidenschaften und guilty pleasure Fußballer vergingen die 90 Minuten Fahrt wie im Flug. Zuhause angekommen bemerkte ich aber die Ereignisse des Wochenendes und meine Energieanzeige raste in den Keller. Duschen, Essen, schlafen; mehr stand nicht auf dem Zettel.
Stadion 11/18 in der Oberliga Baden-Württemberg
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